2. Die Mechanik: Call und Put

Es lassen sich zwei grundlegend unterschiedliche Arten von Optionen unterscheiden.

2.1 Der Call (Die Kaufoption)

Ein Call gibt dem Käufer das Recht, einen Basiswert in der Zukunft zu einem festen Preis zu kaufen.

Analogie: Die Anzahlung beim Hauskauf

Stellen Sie sich vor, Sie finden ein Traumhaus für 1’000’000 CHF. Sie sind sich aber noch nicht sicher, ob Sie es kaufen wollen. Sie zahlen dem Verkäufer 10’000 CHF "Reservierungsgebühr" (Prämie), damit er Ihnen das Haus für 3 Monate zum Preis von 1'000’000 CHF reserviert.

  • Szenario A: Die Immobilienpreise explodieren. Das Haus ist plötzlich 1'200’000 CHF wert. Sie nutzen Ihr Recht und kaufen es für die vereinbarten 1'000’000 CHF. Ein super Geschäft!
  • Szenario B: Es stellt sich heraus, dass das Dach undicht ist. Das Haus ist nur noch 800’000 CHF wert. Sie nutzen Ihr Recht nicht. Sie kaufen das Haus nicht. Ihr einziger Verlust sind die 10’000 CHF Gebühr.

2.2 Der Put (Die Verkaufsoption)

Ein Put gibt dem Käufer das Recht, einen Basiswert in der Zukunft zu einem festen Preis zu verkaufen.

Analogie: Die Preisgarantie beim Hausverkauf

Drehen wir die Situation um: Sie besitzen bereits ein Haus im Wert von 1’000’000 CHF. Da Sie in einem Jahr auswandern, müssen Sie die Immobilie dann verkaufen. Sie befürchten jedoch, dass bis dahin eine Immobilienblase platzt und die Preise sinken könnten.
Um sich abzusichern, finden Sie einen Investor. Sie zahlen ihm heute 10’000 CHF als Prämie. Im Gegenzug garantiert er Ihnen vertraglich, dass er Ihr Haus in einem Jahr für 1’000’000 CHF kauft – falls Sie das möchten.

  • Szenario A: Der Markt bricht ein. Eine Wirtschaftskrise drückt die Preise. Ihr Haus ist auf dem freien Markt nur noch 800’000 CHF wert. Sie nutzen Ihr Recht (den Put) und verkaufen das Haus an den Investor für die garantierten 1'000’000 CHF. Sie haben sich vor dem Verlust gerettet.
  • Szenario B: Die Preise steigen. Der Markt boomt und Ihr Haus ist plötzlich 1'200’000 CHF wert. Natürlich verkaufen Sie es nicht an den Investor für 1 Mio., sondern an jemand anderen auf dem freien Markt für 1.2 Mio. Die 10’000 CHF Gebühr für die Garantie (Prämie) sind weg, aber Sie haben den höheren Verkaufspreis erzielt.

2.3 Die vier Grundpositionen

Da man Optionen kaufen und verkaufen kann, entstehen vier mögliche Positionen.

Call Put
Long (Käufer) Long Call
Darf kaufen.
Hofft auf steigende Kurse.
Zahlt Prämie.
Long Put
Darf verkaufen.
Hofft auf fallende Kurse.
Zahlt Prämie.
Short (Verkäufer) Short Call
Muss verkaufen, wenn der andere will.
Hofft, dass Kurse nicht steigen.
Kassiert Prämie.
Short Put
Muss kaufen, wenn der andere will.
Hofft, dass Kurse nicht fallen.
Kassiert Prämie.
Wichtig!
Long bedeutet immer: Man hat die Option gekauft (man besitzt das Recht).
Short bedeutet immer: Man hat die Option verkauft (man hat die Pflicht).

Der Verkäufer einer Option heisst auch Stillhalter: Er muss die Entscheidung des Käufers abwarten – er "hält still".
Selbstkontrolle Kapitel 2
Situation 1: Sie glauben, der Aktienmarkt wird crashen. Was kaufen Sie?
Situation 2: Sie haben die Pflicht zu liefern, wenn die Aktie stark steigt.
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