3. Gewinn- und Verlust-Diagramm

In der Finanzwelt nutzen wir Diagramme, um sofort zu sehen, ab wann wir Geld verdienen.

Wichtige Begriffe für die Grafik:

Merke: Break-Even (Gewinnschwelle)

  • Call: Break-Even = Strike + Prämie
  • Put: Break-Even = Strike − Prämie

Die Formeln gelten für Long und Short gleichermassen – am Break-Even ist das Geschäft für beide Seiten ein Nullsummenspiel, danach dreht nur das Vorzeichen von Gewinn und Verlust.

3.1 Der Long Call (Auf steigende Kurse setzen)

Beispiel: Sie kaufen einen Call auf die Nestlé-Aktie.

Beim Kauf einer Option bezahlen Sie die Prämie als Preis und starten somit mit einem Verlust von -5 CHF. Erst wenn die Aktie über 105 CHF (Strike + Prämie) steigt, sind Sie in der Gewinnzone.

Beispiel: Rechnung Long Call

Szenario: Die Nestlé-Aktie steigt auf 120 CHF. Sie dürfen die Aktie nun für 100 CHF kaufen, obwohl der Börsenkurs auf 120 CHF gestiegen ist.

  1. Payoff = Spot - Strike = 120 − 100 = 20 CHF
  2. Prämie: Sie haben die Option für 5 CHF gekauft
  3. Gewinn = Payoff - Prämie = 20 − 5 = 15 CHF

3.2 Der Long Put (Auf fallende Kurse setzen)

Beispiel: Sie kaufen einen Put auf die UBS-Aktie.

Sie wetten auf einen Crash. Wenn die Aktie fällt, gewinnt der Put an Wert. Der Kauf des Puts kostet Sie 2 CHF. Deshalb sind Sie erst dann in der Gewinnzone, wenn die Aktie unter 18 CHF fällt.

Beispiel: Rechnung Long Put

Szenario: Die UBS-Aktie fällt auf 15 CHF. Sie dürfen die Aktie nun für 20 CHF verkaufen, obwohl die Aktie an der Börse nur noch 15 CHF kostet.

  1. Payoff = Strike - Spot = 20 - 15 = 5 CHF
  2. Prämie: Sie haben die Option für 2 CHF gekauft
  3. Gewinn = Payoff - Prämie = 5 − 2 = 3 CHF

3.3 Der Short Call (Die Seite des Verkäufers)

Wenn Sie einen Call verkaufen (Short Call), nehmen Sie die Rolle der Versicherung ein.

Beispiel: Rechnung Short Call

Annahme: Sie verkaufen einen Call auf die Nestlé-Aktie.

  • Strike: 100 CHF
  • Prämie: 5 CHF

Sie starten mit einem Gewinn von 5 CHF (Prämie). Sobald der Börsenkurs der Aktie über 105 CHF steigt, sind Sie in der Verlustzone.

Szenario: Die Nestlé-Aktie steigt auf 120 CHF

  • Der Verkäufer (Short Call) hat einen Verlust (Prämie - Payoff) von -15 CHF.
  • Der Käufer (Long Call) hat einen Gewinn (Payoff - Prämie) von 15 CHF.
  • Was der Käufer gewinnt, verliert der Verkäufer! Es ist ein Nullsummenspiel.

3.4 Der Short Put (Die Seite des Verkäufers)

Wenn Sie einen Put verkaufen (Short Put), nehmen Sie die Rolle der Versicherung ein.

Beispiel: Rechnung Short Put

Annahme: Sie verkaufen einen Put auf die UBS-Aktie.

  • Strike: 20 CHF
  • Prämie: 2 CHF

Sie starten mit einem Gewinn von 2 CHF (Prämie). Erst wenn die Aktie unter 18 CHF fällt, haben Sie Verluste.

Szenario: Die UBS-Aktie fällt auf 15 CHF

  • Der Verkäufer (Short Put) hat einen Verlust von -3 CHF.
  • Der Käufer (Long Put) hat einen Gewinn von 3 CHF.

Achtung, Risiko bei Short-Positionen: Wer Optionen verkauft, muss bei Bank oder Broker Sicherheiten (Margin) hinterlegen. Die Verluste können den ursprünglich erhaltenen Betrag weit übersteigen – beim Short Call sind sie theoretisch unbegrenzt. Short-Positionen gehören deshalb nicht in die Hand von Einsteigern.

3.5 Amerikanische vs. Europäische Optionen

Auf den Finanzmärkten werden unterschiedliche Optionsarten gehandelt, wobei insbesondere der amerikanische und der europäische Stil dominieren. Europäische Optionen können ausschliesslich am Verfallstag ausgeübt werden, während amerikanische Optionen dem Inhaber das Recht einräumen, die Option jederzeit bis zum Verfall auszuüben. Damit kann der Käufer einer Call- oder Put-Option den Basiswert grundsätzlich auch vorzeitig einfordern oder liefern.

Die Bezeichnungen amerikanischer und europäischer Stil führen leicht in die Irre, da sie geografische Unterschiede suggerieren. Tatsächlich werden beide Ausübungsarten weltweit verwendet. Die meisten an der Eurex gehandelten Aktienoptionen folgen dem amerikanischen Stil und sind somit während der gesamten Laufzeit ausübbar. Optionen auf den DAX-Index hingegen sind europäische Optionen und können erst am Ende der Laufzeit ausgeübt werden.

Zusätzlich ist zu beachten, ob eine Option durch Barausgleich (Cash Settlement) oder durch physische Lieferung des Basiswerts erfüllt wird. In diesem Lehrmittel rechnen wir durchgehend mit Barausgleich: Statt Aktien zu liefern oder abzunehmen, wird am Verfall einfach der innere Wert der Option in Geld ausbezahlt. In der Praxis existiert daneben die physische Lieferung (vor allem bei Aktienoptionen üblich) – wer sie nicht bedenkt, kann unerwartet mit der Lieferung grosser Warenmengen konfrontiert werden, etwa mehreren Tonnen Kaffeebohnen.

3.6 Moneyness

Die Moneyness (ITM, ATM, OTM) gibt an, ob die Option zum aktuellen Zeitpunkt einen inneren Wert hat. Achtung: In-the-money bedeutet nur, dass die Option einen inneren Wert hat – nicht, dass die Position im Gewinn ist. Zwischen Strike und Break-Even verkleinert der innere Wert lediglich den Verlust (Prämie); erst ab dem Break-Even entsteht ein Gewinn.

Moneyness-Übersicht: in the money, at the money und out of the money für Call und Put
MoneynessCallPut
In the money (ITM)
innerer Wert vorhanden
Kurs > StrikeKurs < Strike
At the money (ATM)Kurs = StrikeKurs = Strike
Out of the money (OTM)
kein innerer Wert
Kurs < StrikeKurs > Strike

Selber ausprobieren

Verändern Sie Optionstyp, Strike, Prämie und Kurs des Basiswerts und beobachten Sie, wie sich Gewinn, Verlust und Break-Even verschieben.

Interaktive Simulation in voller Grösse öffnen
Selbstkontrolle Kapitel 3

Szenario für Aufgabe 1 & 2: Sie kaufen einen Long Call auf die Swatch-Aktie. Strike: 50 CHF, Prämie: 5 CHF.

1. Wie hoch ist der Gewinn, wenn der Basiswert auf 60 CHF steigt?
2. Wie hoch ist der Payoff, wenn der Basiswert auf 45 CHF fällt?

Szenario für Aufgabe 3-5: Sie kaufen einen Long Put auf die Novartis-Aktie. Strike: 80 CHF, Prämie: 4 CHF.

3. Ab welchem Aktienkurs erreichen Sie den Break-Even (Gewinnschwelle)?
4. Die Aktie fällt tatsächlich stark auf 70 CHF. Wie hoch ist Ihr Gewinn?
5. Wie hoch ist der Payoff, wenn der Basiswert auf 50 CHF fällt?

6. Sie sind Verkäufer eines Calls (Short Call). Welches Risiko tragen Sie?
7. Wählen Sie die jeweils korrekte Antwort:
8. Moneyness: Sie halten einen Long Call mit Strike 100. Die Aktie steht aktuell bei 90. In welchem Zustand ist die Option?
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