5. Der Hebeleffekt (Leverage)

Einer der faszinierendsten (und gefährlichsten) Aspekte von Optionen ist der Hebeleffekt. Er erklärt, warum man mit Optionen viel schneller reich, aber auch viel schneller arm werden kann als mit Aktien.

5.1 Wie funktioniert der Hebel?

Da eine Option viel weniger kostet als die Aktie selbst (die Prämie ist nur ein Bruchteil des Aktienpreises), können Sie mit dem gleichen Geldbetrag viel mehr Optionen kaufen als Aktien. Dadurch "hebeln" Sie Ihren Gewinn. Betrachten Sie hierzu untenstehenden Vergleich zwischen der Investition in eine Aktie und einer Option auf dieselbe Aktie.


Szenario: Die Aktie der Space AG kostet aktuell 100 CHF. Sie haben 5’000 CHF zur Verfügung und erwarten, dass der Kurs um 10% auf 110 CHF steigen wird.

Strategie A: Aktien kaufen

• Sie kaufen 50 Aktien für je 100 CHF
• Investition: 50 × 100 = 5’000 CHF
• Kurs steigt auf 110 CHF
• Wert: 50 × 110 = 5’500 CHF

Gewinn: +500 CHF (+10%)
Strategie B: Call Optionen kaufen

• Sie Kaufen 1'000 Call-Optionen auf diese Aktie
   mit Strike 100 und Prämie 5
• Kurs steigt auf 110 CHF
• Innerer Wert jeder Option: 110 − 100 = 10 CHF
• Ihr Paket ist nun 1’000 × 10 = 10’000 CHF wert

Gewinn: +5’000 CHF (+100%)

(Zur Vereinfachung rechnen wir hier pro Stück – die übliche Kontraktgrösse folgt in Abschnitt 5.2.)

Achtung: Der Hebel wirkt in beide Richtungen!

Im obigen Beispiel: Wenn die Aktie bis zum Verfallstag bei 100 CHF stehen bleibt (0% Veränderung), ist der Aktienkäufer bei +/- 0. Der Optionskäufer verliert am Verfallstag jedoch seine kompletten 5’000 CHF (-100%), da die Option wertlos verfällt.

5.2 Kontrakt & Bezugsverhältnis

Optionen werden an der Börse in der Regel nicht einzeln, sondern in sogenannten Kontrakten gehandelt. Das dabei festgelegte Bezugsverhältnis bestimmt, auf wie viele Aktien sich ein Kontrakt bezieht und beträgt bei Aktienoptionen fast immer 100 Aktien des zugrunde liegenden Basiswerts.

1 Kontrakt = 100 Aktien

Rechenbeispiel:

Mit dem Einsatz von 750 USD erhalten Sie somit ein ökonomisches Exposure auf insgesamt 300 Apple-Aktien. Steigt der Aktienkurs um 1 USD, erhöht sich der theoretische Wert Ihrer Investition – bei einem Delta von 0.5 um rund 150 USD, bei einer Option tief im Geld (Delta nahe 1) um bis zu 300 USD. Mehr zum Delta erfahren Sie in Kapitel 6: "Die Griechen".

Der Hebel als Kennzahl

Wie stark eine Option den Kapitaleinsatz "hebelt", lässt sich auch als einfache Kennzahl ausdrücken:

Einfacher Hebel = Kurs des Basiswerts ÷ Optionsprämie

Beispiel: Hebel berechnen

  • Kurs des Basiswerts: 100 CHF
  • Optionsprämie: 5 CHF

Hebel = 100 ÷ 5 = 20. Sie bewegen mit dem gleichen Kapitaleinsatz 20-mal mehr Basiswert.

Der effektive Hebel (Omega) berücksichtigt zusätzlich das Delta: Omega = Hebel × Delta (siehe Kapitel 6).

Selbstkontrolle Kapitel 5

Aufgabe 1: Verständnisfragen

Welche Aussagen sind korrekt?



Aufgabe 2: Hebeleffekt mit einer Call Option

Sie investieren 2'000 CHF. Der Aktienkurs der REICH AG steht bei 100 CHF.
Sie vergleichen zwei Strategien:


a) Der Aktienkurs steigt auf 110 CHF. Wie hoch ist die Rendite in Prozent?
Rendite Aktien:
%
Rendite Optionen:
%
b) Der Aktienkurs bleibt bis zum Verfall unverändert bei 100 CHF. Wie hoch ist der Gesamtwert?
Wert Aktien:
CHF
Wert Optionen:
CHF
c) Der Aktienkurs sinkt leicht auf 97 CHF (-3%). Wie hoch ist die Rendite in Prozent?
Rendite Aktien:
%
Rendite Optionen:
%

Aufgabe 3: Gewinnberechnung Call

Sie kaufen 5 Kontrakte einer Call-Option:

  • Strike: 80 CHF
  • Prämie: 4 CHF

Der Aktienkurs steigt auf 95 CHF.

Wie hoch ist Ihr Gesamtgewinn?

(Hinweis: Denken Sie an die Kontraktgrösse von 100!)

CHF

Aufgabe 4: Gewinnberechnung Put

Sie kaufen 15 Kontrakte einer Put-Option (Spekulation auf fallende Kurse).

  • Strike: 60 CHF
  • Prämie: 3 CHF

Der Aktienkurs fällt tatsächlich auf 48 CHF.

Wie hoch ist Ihr Gesamtgewinn?

CHF

Aufgabe 5: Der einfache Hebel

Eine Aktie kostet 80 CHF, der Call darauf 4 CHF.

Berechnen Sie den einfachen Hebel.

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